Exotische Fallbeispiele aus der Wilhelma – Okapi, Löwe und mehr

Die Partnerschaft zwischen EXAMION und der Wilhelma Stuttgart besteht bereits seit dem Jahr 2016 und zeichnet sich durch eine enge, praxisorientierte Zusammenarbeit aus. Seitdem setzt die tiermedizinische Abteilung der Wilhelma regelmäßig auf moderne Röntgentechnik von EXAMION.

Im Gegenzug stellt die Wilhelma EXAMION fortlaufend spannende Fallbeispiele aus dem Zooalltag zur Verfügung, die wir Ihnen im Rahmen unserer neuen Reihe „Exotische Fallbeispiele aus der Wilhelma“ regelmäßig vorstellen. 

Fall 1: Mara

In der Wilhelma Stuttgart werden unter anderem Maras gehalten – eine Unterfamilie der Meerschweinchen, die aufgrund ihres Erscheinungsbildes häufig auch als Pampashasen bezeichnet werden. Die ursprünglich aus Südamerika stammenden Tiere unterscheiden sich von anderen Meerschweinchenarten insbesondere durch ihre langen Beine und großen Ohren, die ihnen ihr hasenähnliches Aussehen verleihen.

Das älteste Mara der Wilhelma ist über 15 Jahre alt. Aufgrund von Bewegungsunlust und einer auffälligen Rückenhaltung mit aufgezogenem Rücken wurde das Tier tierärztlich untersucht. Neben einer unauffälligen Blutuntersuchung erfolgte unter leichter Sedierung eine Röntgenuntersuchung. Dabei zeigte sich eine Exostose im Bereich der Lendenwirbel L6/L7 sowie am Übergang zum Kreuzbein (Siehe Abbildung 2).

Da die therapeutischen Möglichkeiten bei Wildtieren wie Maras nur eingeschränkt sind, wird der Patient derzeit engmaschig überwacht. Im Fokus steht die Beobachtung der Schmerzsymptomatik, um mögliche Verbesserungen oder Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen. Die weiteren Behandlungsschritte werden auf Grundlage dieser Beobachtungen festgelegt.

Fall 2: Okapi

Tano ist ein neugieriges Okapi-Männchen, das in der Wilhelma geboren wurde. In freier Wildbahn leben Okapis – auch als Waldgiraffen bekannt – in den Regenwäldern Zentralafrikas und gelten als stark gefährdet mit einem Bestand von schätzungsweise 10.000 – 35.000 Tieren. Wie viele junge Tiere erkundet er seine Umgebung mit großem Interesse und steckt seine Nase gerne überall hinein, wo es etwas Spannendes zu entdecken gibt.

Bei einer seiner Erkundungstouren verletzte sich Tano kürzlich an einem Zaun. Neben einer Schürfwunde an der Nase entwickelte sich eine deutliche Schwellung auf der rechten Gesichtshälfte. Zur weiteren Abklärung wurde in Zusammenarbeit mit dem Tierärztlichen Zentrum für Pferde in Kirchheim eine Röntgenuntersuchung durchgeführt.

Die Aufnahmen zeigten eine Fraktur des Nasenbeins. Damit konnte ein infektiöses Geschehen als Ursache der Schwellung ausgeschlossen werden (Siehe Abbildung 2).

Erfreulicherweise bildete sich die Schwellung bereits nach kurzer Zeit deutlich zurück. Die Verletzungen heilten vollständig aus, sodass es Tano inzwischen wieder sehr gut geht. Mittlerweile lebt er im Rahmen eines Tiertransfers im Zoo Antwerpen in Belgien.

Fall 3: Waldschildkröte

Bei den Waldschildkröten der Wilhelma beginnt die Eiablagezeit meist damit, dass die Weibchen verstärkt Grabaktivitäten zeigen. Da die Tiere ihre Eier ausschließlich im Innengehege ablegen wollen, muss vor dem Umzug in das Außengehege sichergestellt werden, dass sämtliche Eiablagen erfolgreich abgeschlossen wurden.

Bei einer Waldschildkröte bestand der Verdacht auf eine Legenot. Eine Röntgenuntersuchung bestätigte diesen Verdacht: Mehrere noch nicht abgelegte Eier waren deutlich sichtbar (Siehe Abbildung 2 und 3). Zur Unterstützung erhielt das Tier Calcium- und Zucker, um die notwendige Energie und Muskelkraft für eine natürliche Eiablage bereitzustellen. Eine rechtzeitige Behandlung ist bei Legenot besonders wichtig. Verbleiben die Eier über längere Zeit im Legedarm, lagert sich kontinuierlich weiterer Kalk in den Eierschalen an. Dadurch werden die Schalen zunehmend härter und rauer. Dies kann die Schleimhäute reizen oder sogar verletzen, sodass die Eier den Legedarm nicht mehr passieren können.

Die Folgen sind erheblicher Stress für das Tier sowie ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Insbesondere durch entstehende Mikroläsionen kann es im schlimmsten Fall zu einer Sepsis kommen. In diesem Fall wurde die Legenot jedoch frühzeitig erkannt. Die eingeleiteten Maßnahmen zeigten den gewünschten Erfolg: Auf den Kontrollaufnahmen waren keine Eier mehr nachweisbar. Die Schildkröte konnte anschließend gemeinsam mit den übrigen Tieren in das Außengehege umziehen.

Fall 4: Asiatischer Löwe

Der asiatische Löwe Kajal kam vor einiger Zeit aus Mulhouse in Frankreich in die Wilhelma Stuttgart. Den Tierpflegern fiel eine Verletzung an seiner Pranke auf. Offenbar hatte der Löwe die betroffene Stelle intensiv beleckt, sodass eine deutlich sichtbare Wunde entstanden war (Siehe Abbildung 2).

Um einen bösartigen Prozess auszuschließen, der möglicherweise bereits auf den Knochen übergegriffen haben könnte, wurde eine Röntgenaufnahme der linken Vorderpfote angefertigt. Die Untersuchung brachte erfreuliche Ergebnisse: An der seitlichen Zehenwand der betroffenen mittleren Zehe konnten keine Auffälligkeiten festgestellt werden. Sowohl das Krallenbein als auch das Kronbein waren klar erkennbar und zeigten keine Anzeichen von Veränderungen oder Schädigungen (Siehe Abbildung 3).

Die Wunde ist inzwischen vollständig verheilt und Kajal weist keinerlei Einschränkungen mehr auf. 

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