Umfrage des Bundesamts für Strahlenschutz: Was denkt Deutschland über medizinische Strahlung?

Laut einer aktuellen Umfrage haben die Deutschen ein relativ hohes Vertrauen in die im Medizinsektor eingesetzte Strahlung. Für die meisten Befragten war entscheidend, dass bildgebende Verfahren dazu beitragen, Krankheiten präzise zu diagnostizieren und dementsprechend gezielt behandeln zu können. Auch vertrauten die meisten Befragten darauf, dass Risiken durch professionelle Schutzmaßnahmen minimiert werden. Überraschend war, dass die Befragten den Anteil der medizinischen Strahlung an ihrer Gesamtbelastung nur schwer einschätzen konnten. Missverständnisse zu CT, MRT und Röntgen waren weit verbreitet. Der Begriff „ionisierende Strahlung“ ist für die meisten nach wie vor abstrakt.

Die Untersuchung basierte auf einer Kombination qualitativer und quantitativer Erhebungen. Zunächst fanden zwei Gruppendiskussionen mit je acht Teilnehmenden statt, gefolgt von insgesamt 40 Einzelinterviews an vier verschiedenen Standorten. Die quantitative Befragung wurde in repräsentativen Telefoninterviews mit 2.002 Teilnehmenden durchgeführt.1

Nutzen-Risiko-Abwägung

Die medizinisch eingesetzte Strahlung wurde von den Befragten als unverzichtbares medizinisches Werkzeug gesehen, deren Risiken akzeptiert werden, wenn der Nutzen klar erkennbar ist. Dabei bestand bei den Befragten ein gutes Risikobewusstsein: Die Tatsache, dass medizinisches Personal den Raum während der Röntgenaufnahme verlässt oder schwangere Frauen nicht geröntgt werden dürfen, wurde zugleich als Beleg für das vorhandene Risiko, aber auch für dessen Kontrollierbarkeit angesehen.

Für die meisten Befragten waren die Risiken medizinischer Strahlung eher abstrakt und sie wussten oft nicht genau, worin diese bestehen. Zell-, Gewebe- oder Organschäden und Krebs wurden von manchen Befragten vermutet. Vereinzelt wurden auch Hautreizungen und Verbrennungen benannt. Insgesamt fiel die Risiko-Nutzen-Abwägung jedoch eindeutig zugunsten des Nutzens aus.1

Wissensdefizite und Fehleinschätzungen

Der Begriff „ionisierende Strahlung“ an sich war nur wenigen der Befragten geläufig, vorhandenes Wissen dazu war eher diffus. Im medizinischen Kontext wurde vor allem die Röntgenstrahlung genannt. Nur 36 % der Befragten wussten, dass medizinische Untersuchungen die größte durchschnittliche Strahlenbelastung verursachen (1,7 mSv/Jahr).2 Zutreffendes Wissen bestand eher in der Gruppe der 30–39 Jährigen (54 %) oder bei höher Gebildeten (45 %).1

80 % der Befragten wussten, dass sich bildgebende Verfahren (Ultraschall, MRT, Röntgenbild und CT) hinsichtlich der Art der Strahlung und der Strahlenbelastung unterscheiden. Die konkreten Unterschiede etwa zwischen CT und MRT waren für die meisten jedoch unklar, teilweise wurde das MRT fälschlicherweise mit Strahlung in Verbindung gebracht. Der Wissensstand zu bildgebenden Verfahren hing im Allgemeinen stark von der persönlichen Betroffenheit ab.1

Allgemein zeigte sich, dass sich im Bereich der medizinischen Strahlung mehr Aufklärung gewünscht wurde, insbesondere im Vergleich zu anderen Strahlenthematiken (siehe Abb. 1).

Informationsverhalten

Die wenigsten Befragten gaben an, sich aktiv um Informationen zur Strahlenbelastung bei medizinischen Untersuchungen zu bemühen. Mehrheitlich (65 %) folgen die Befragten dem Rat ihres Arztes oder ihrer Ärztin. Bei Röntgenuntersuchungen gaben sogar 74 % an, der ärztlichen Empfehlung zu folgen. Gleichzeitig erklärten 61 % der Befragten, grundsätzlich selbst zu entscheiden, ob sie eine Untersuchung mit Strahlenbelastung durchführen lassen (siehe Abb. 2).1

Fazit

Die im Medizinsektor eingesetzte ionisierende Strahlung wurde in der Befragung überwiegend als sichere und notwendige Technologie gesehen. Das konkrete Wissen war häufig lückenhaft und stark erfahrungsabhängig, wodurch eine gewisse Anfälligkeit für Fehlannahmen und Fehlinformationen bestehen bleibt. Die Nutzen-Risiko-Abwägung fiel eindeutig zugunsten des Nutzens aus. Diese stütze sich insbesondere auf die sichtbaren Schutzmaßnahmen sowie auf das Vertrauen in die ärztliche Kompetenz. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass sich viele Menschen eine verständliche und fundierte Aufklärung wünschen.

Quellen

1Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Was denkt Deutschland über Strahlung? Umfrage 2024. Abschlussbericht Vorhaben 3623S72213; GIM, Gesellschaft für Innovative Marktforschung: Salzgitter, 2024. urn:nbn:de:0221‐2024121149061.

2(BfS) BfS. Strahlenbelastung im Alltag. Online verfügbar: https://odlinfo.bfs.de/ODL/DE/themen/was-ist-odl/strahlung-dosis/strahlung-dosis.html